Letzte Woche habe ich ein IT-Seminar zum Thema Datenschutz besucht. Ganz nette Sache. Bis auf ein paar anwesende Nerds. Hyperaktive, allwissende, nervende IT-Fuzzies. Der Dozent konnte sich zum Glück ab un zu durchsetzen.
Eingestiegen sind wir mit einem Rückblick auf 2008. Wäre nicht gen Ende die Bankenpandemie ausgebrochen, hätte man 2008 sicherlich das Jahr der Datenschutzskandale nennen können. Für alle, die den Überblick verloren haben, folgen jetzt die Highlights.
Wir erinnern uns alle, gleich zum Jahresauftakt gab es die Liechtenstein-Affäre. Mal abgesehen vom strafrechtlichen Vergehen des Herrn Zumwinkel, war auch die Datenweitergabe eines Mitarbeiters der LGT-Bank nicht ganz unumstritten.
Nicht minder umstritten ging es mit der Vorratsdatenspeicherung und der Onlinedurchsuchung weiter. Mittlerweile abgeschmettert bzw. entschärft, wird es wohl trotzdem irgendwann wieder auf den Tisch kommen.
Danach gab sich Lidl die Ehre. Videoüberwachung der Mitarbeiter mit anschließender Beschattung durch Dedektive. Ein Kandidat für den Arbeitgeber des Jahres!
Ähnlich loyal seinen Mitarbeitern gegenüber verhielt sich kurz darauf der magentafarbene Riese. Bespitzelung von Kollegen, Vorständen und Aufsichtsräten. Ganz nach dem eigenen Slogan - 'Erleben, was verbindet'!
Auch damit müssen Datenschützer rechnen. Zwei Kurierfahrer stellten ein Paket mit Kreditkarten nebst PIN der Frankfurter Rundschau zu, um zu vertuschen, dass sie einen Christstollen entwendet hatten.
Erinnernswert bleibt uns die Einführung der Steuer-ID im Gedächtnis. Pannen über Pannen. Verwechslung der Personendaten, Angaben zur Bankverbindung oder zum Vermieter dürften viele Bürger an den rechmäßigen Umgang mit ihren Daten zweifeln lassen.
Dann kann ich mich noch düster an ein vergessenes Standard-Passwort bei der Einführung einer Online-Anwendung von Meldeämtern erinnern. Beim Schlagwort Meldeämter fällt mir auch noch den öffentlichen Datenverkauf an Dritte ein, der man nur mit einem Widerspruch entgegenwirken kann. Und, schon dran gedacht?!
Kunden der NKL dürften sich gefreut haben, als sie Mitte 2008 erfahren haben, dass ihre Daten inklusive Adresse und Bankverbindung gehandelt worden sind. Wenn sie Glück hatten wurde auch gleich noch ein Abo abgebucht.
Schon mal von der Einladerdatei gehört? Ich bis letzte Woche auch noch nicht! In ihr sollen alle Personen und Organisationen erfasst werden, die für einen visumpflichtigen Ausländer bürgen.
So, das wars! Die Auflistung verdient bestimmt nicht das Prädikat 'vollständig', aber irgendwie ähnelt sich auch alles immer wieder - ich gebe meine Daten freiwillig ab oder muss sie abgegeben, darf mir noch die Datenschutzerklärung durchlesen und finde mich am nächsten Tag in der Zeitung wieder. Gute Nacht!